//PETER PICHLER UND DIE DOLOMITEN

//PETER PICHLER – MAILAND, ITALIEN
Die Dolomiten sind rund 250 Millionen Jahre alt, Peter Pichler gerade einmal 37. Und dennoch prägt er die alpine Landschaft und deren architektonisches Erscheinungsbild derzeit wie kein anderer. Urlauber verbinden den Gebirgszug der Alpen aus Sedimentgestein und Kalkstein zweifellos mit Erholung, Skifahren und hügeligen Ausblicken; Architekten seit Pichler wohl am ehesten mit eigenwilliger Architektur.
Pichlers Architektur ist alles andere als alltäglich. Sie ist ihrer Zeit voraus, inspiriert von regionaler Baugeschichte und Kultur und übersetzt in eine schnörkellose Ästhetik heutiger Baukunst. Als Startpunkt zahlreicher Wanderwege und inzwischen beliebter Ort der Einkehr entstand 2016 die Berghütte, die sich wie ein umgestürzter Baum mit drei dicken Ästen zwischen Bergstation und Skipiste an den Hang schmiegt. Der Architekt aus Mailand gewann den 2015 ausgelobten Wettbewerb gemeinsam mit dem Architekten Pavol Mikolajcak aus Bozen. Die Form des Baukörpers, gelegentlich auch die „drei Schaufenster” der Dolomiten genannt, erinnert an die Urform des Satteldachs. Die vollverglasten Kopfbauten in 2.069 Metern Höhe bieten gleich dreifachen Ausblick und scheinen vom Tal aus betrachtet zu schweben. Sie ragen inmitten der Schneelandschaft wie abgeschnittene Äste empor und bieten Skifahrern und Snowboardern einen Ort der Ruhe und der Einkehr.
Die Entwürfe Peter Pichlers sind geprägt vom Spiel mit der Umgebung, von Ein- und Ausblicken und einer spitzen Kontur.
//WEITE DURCH ENGE ERZEUGEN
Nach nur neun Monaten Bauzeit wurde die Berghütte 2016 eröffnet und gilt seither als eines der Highlights der Region. Das Innere der auskragenden Verzweigung ist eine zeitgemäße Interpretation der regionaltypischen Almstuben. Die gerippte Steildachstruktur endet in den drei „Pockets”, wie die Architekten sie nennen, und bietet durch die spitzgiebelige Vollverglasung einen spektakulären Blick in die Natur. In Richtung der Stirnseiten verjüngen sich die Räume, sodass sie während wie auch nach den Stoßzeiten genügend Intimität schaffen und gerade durch die Enge und die Fokussierung auf den Ausblick diese Weite erzeugen.
//MATERIALITÄT UND INTERIEUR
Der Innenraum ist geprägt von natürlichen Materialien und einer wohligen Atmosphäre. Die sichtbar belassene Dachkonstruktion aus regionalen Hölzern, die Möbel aus Eiche und die passgenauen Polster aus felsgrauem Stoff sorgen dafür, dass sich die Besucher wie in einer Zwischenwelt aus gemütlicher Stube und modernem Open-Space-Wohnzimmer fühlen. Die lichtdurchflutete Bar mit einladender Theke sorgt für das leibliche Wohl, und die notwendigen Nebenräume wie Technik, WCs und Personalbereich sind im sockelartigen Untergeschoss versteckt.
//ORTE DER INSPIRATION
Pichler macht das, was viele andere Architekten vernachlässigen. Er studiert den Ort, inspiriert sich durch die Umgebung und verfolgt seine Ideen von der ersten Skizze bis zur Umsetzung, um die Menschen damit zu begeistern. Seine Architektur entspringt einer avantgardistischen Herangehensweise, die kreativer und fantasievoller nicht sein kann. Seit kurzem arbeitet der Architekt, der durch die Lehre Zaha Hadids ging und unter anderem Aufenthalte in LA, Rotterdam, London und Hamburg zur Inspiration nutzte, an einem Konzept für nachhaltigen Lokaltourismus: Kleine Baumhäuser sollen in den waldreichen Bergen der Dolomiten entstehen und zugleich luxuriös und spartanisch sein. Wie kleine Zipfelmützen ragen autonome Wohnkapseln zwischen den Bäumen hervor und verbinden sich mit der Natur. Was wie Zukunftsmusik klingt, ist bald Realität und der Steildach-Avantgardismus um ein Paradebeispiel reicher.

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